Start

Der nächste Morgen beginnt mit dem Weckruf „Tagwache“ eines hyperaktiven Kärntners aus unseren Reihen. Nicht nur wir sind wach, auch alle anderen, die in der näheren Umgebung schlafen stehen aufrecht im Bett. Nach einer kurzen Katzenwäsche macht sich unsere Proseccogruppe auf zum Hafen. Es ist kurz vor 6 Uhr morgens als wie hier eintreffen. Die erste Fähre fällt aus, der Scirocco ist so stark daß ein sicheres Anlegen auf Stromboli nicht möglich ist. Alle, außer wir Hunnen, sind gelassen – man kann es eh nicht ändern. Die Überfahrt mit der zweiten Fähre gestaltet sich reibungslos, auch wenn jeder größere Steinhaufen im Mittelmehr angefahren wird. Endlich erreichen wir die Insel Stromboli. Nach kurzem Erkunden der Unterkunft und des pechschwarzen Strandes geht es zum Mittagessen. Der Wirt scheint ebenfalls ein Verwandter von Pino zu sein – die Rechnung gleicht der von Milazzo sehr. Der Staat schaut wieder durch die Finger, das sollte sich bei allen weiteren Besuchen wiederholen. Wenn jeder auf sich schaut, ist auf alle geschaut.

Vollgefressen mit der Kohlenhydratebombe nach Art des Hauses begeben wir uns zum vereinbarten Treffpunkt mit dem Guide, der uns auf den Vulkan bringen sollte. Hier begehen wir einen fatalen Fehler. Der Guide und sein Sohn sind eh schon nicht begeistert, dass sie bei dem schlechten Wetter auf den Stromboli aufsteigen müssen. Der Gipfel ist in dichte Wolken gehüllt. Wir hören ein Piaggio Ape kommen. Der hagere Mann hinter dem Steuer und der Beifahrer quälen das Dreirad die Steigung hinauf. Auf der Ladebrücke steht ein Hund der einen viel kleineren Hund, er läuft dem Ape hinterher, ankläfft. Die beiden Hunden scheinen nicht die besten Freunde zu sein. Wir lachen uns schief und blöderweise beziehen die beiden Bergführer das Lachen auf sich, wie sich aber erst am Ende der Tour herausstellt. Somit zeigen uns die beiden Italiener, dass sie die schnellsten Bergläufer auf der Insel sind.

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Die ersten 500 Höhenmeter geht es durch die Vegetation aufwärts, vorbei am Pestfriedhof, Warntafeln und typisch mediterraner Vegetation. Das Versprechen alle hundert Höhenmetern eine Verschnaufpause einzulegen hat der kurze Italiener schon beim Abmarsch vergessen, er will den Hunnen ja zeigen, dass er ein ganz flinker ist. Der Sohn des Guides übernimmt die Nachhut, nach der ersten Stunde ist er immer noch dick eingepackt während bei mir der Schweiß schon in Strömen fließt. Offensichtlich habe ich den schwersten Rucksack zu tragen, ich schleppe einen Hexacopter mit nach oben. Da ich aber lieber der Fuchs als der Hirsch bin, nehmen mir meine Mitreisenden die Akkus und die Verpflegung ab. Somit ist mein Rucksack wohl der leichteste – was aber in meinem Gehirn offenbar nicht angekommen ist. Ich habe mittlerweile einen Gang wie eine Katze mit einem Tesastreifen am Rücken. Wir erreichen schließlich die Basis der Wolken und es wird bitterkalt, der Wind brüllt uns an und der Kurze hinter mir hat immer noch keine Schweißperle auf der Stirn. Irgendwas stimmt mit dem Kerl nicht. Er grinst mich nur an „tutto bene?“. Ja klar tutto bene – wie sehe ich denn aus? Er erzählt, dass er vor ein paar Jahren mit dem Zählen aufgehört hat, wie oft er schon oben war aber er schätzt es werden so um die 2.200 Mal gewesen sein. Klar, was macht man als Jugendlicher sonst auf dieser Insel? Den Gipfel können wir nicht ansteuern, die giftigen Gase würden uns den Rest geben. So stehen wir 30 Meter unterhalb davon am Kraterrand unter Schutzhütten aus massivem Stahlbeton und versuchen im dichten Nebel etwas zu erkennen. Die Natur zeigt uns hier ganz klar wer der Boss ist. Es stürmt und regnet – Kommunikation ist kaum möglich, zudem bricht die Nacht herein. Ich sammle noch schnell ein paar Brocken Lavagestein ein, in der Türkei wird dir dafür die Hand abgeschlagen. Wer schon mal versucht hat einen Kieselstein aus dem Urlaub mitzunehmen weiß von was ich spreche.

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Den Aufstieg bewältigten wir eine Stunde unter dem Sollwert, der Guide scheint zufrieden mit uns zu sein und so treten wir den geordneten Rückzug an. Der Weg zurück ins Leben führt über Geröllhalden und mit schwarzem Sand gefüllte Mulden. Jeder Schritt hat zur Folge, dass man im Schein der Stirnlampen wie auf Firngleitern zwei, drei Höhenmeter talwärts gleitet. Fast alle haben die Gamaschen übergestreift und das erweist sich als goldrichtig. Die Schuhe der Gamaschenverweigerer füllen sich mit feinem Sand und scheuern die Füße wund. Sollte Bernhard unten ins Wasser fallen würde er sofort absaufen, soviel Sand schüttelt er schlussendlich aus seinen Stiefeln. Im Tal angekommen begeben wir uns wieder zu Pino´s Cousin, der uns schon freudig erwartet. Die Pizza aus dem Holzofen schmeckt prima und den Staub im Rachen spülen wir mit dem einen oder anderen Bier runter. Am Weg zur Unterkunft blicken wir nochmals zum Gipfel und zu unserer Freude ist der letzte Wolkenfetzen verschwunden. Es ist eine sternenklare, fast windstille Nacht geworden. Stromboli is a bitch,…

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